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So vielfältig wie kaum einer: der arabische Wortschatz

Das Erlernen der arabischen Sprache kann bei manchen Schülern zunächst Schwierigkeiten hervorbringen. Ein Grund könnte unter anderem die Wortbildung dieser schönen exotischen Sprache sein.

Arabisch folgt nämlich im Gegensatz zur typisch europäischen „Vorsilbe- Wortstamm-Nachsilbe“ Logik einem ganz anderen Schema. Es werden nämlich fast alle Substantive und Adjektive von einem Verb abgeleitet.

Um dies zu verdeutlichen, nehmen wir beispielsweise die semitische Wurzel d-r-s (دَرَسَ), „darasa“, für „lernen“ oder „studieren“.

• Von diesem Verb lässt sich das Substantiv مَدْرَسَةٌ „Madrasah“ (Schule) ableiten.
• Genauso lässt sich das Substantiv مُدَرِّسٌ „Mudarris“ (Lehrer) ableiten.

Mehr zu solchen „triliteralen“ (aus drei Konsonanten bestehenden) Verbwurzeln im nächsten Beitrag.

Die arabische Sprache besitzt als sogenannte Konsonantenschrift schätzungsweise 6000 solcher „triliteralen“ (aus drei Konsonanten bestehenden) Verbwurzeln. Quasi alle arabischen Wörter sind nach diesem Schema aufgebaut. Wobei dazu anzumerken ist, dass unbetonte Konsonanten zum Großteil ausgelassen werden.

Das Schema der arabischen Wortbildung kann aus den genannten Gründen auch viele Vorteile mit sich bringen. Denn wenn der Schüler die Bedeutung eines Verbs kennt und dann auf ein Substantiv stößt, das die Wurzel des Verbs in sich trägt, kann er die Bedeutung des Substantivs im Kontext verstehen und ungefähr einschätzen, was es bedeutet.

Das ist aber nicht immer so. Dieses Prinzip kann auch eine gewisse Verwechslungsgefahr mit sich bringen, weil eine Wortfamilie unzählige Wörter der gleichen Wurzel umfassen kann. Dies ist kein Grund aufzugeben. Ein Schüler der arabischen Sprache benötigt am Anfang lediglich Durchhaltevermögen und eine gute Lernmethode, um diese Verwechslungsgefahr zu umgehen.

Wie genau also die arabische Wortbildung funktioniert und nach welchem Schema dieses Konsonantengerüst durch Vokale (Harakāt) vervollständigt wird, erlernt der Schüler im Laufe seines Studiums.

Arabischsprachige Menschen können mit Stolz behaupten, dass ihr Grundwortschatz 60.000 Begriffe umfasst. Damit ist das arabische Vokabular doppelt so umfangreich wie das anderer Sprachen.

Dem französischen Schriftsteller, Philosophen und Historiker Ernest Renan (1823-1892) zufolge besitze die arabische Sprache:

80 Wörter für den Honig
200 für die Schlange
500 für den Löwen
1000 für das Kamel und das Schwert
• und gar 4400 Bezeichnungen für das Leid!

Unmöglich, dies alles in einem Wörterbuch aufzulisten!

Oder?

Also, kurzgefasst:

Im Grunde genommen handelt es sich bei den verschiedenen arabischen „Synonymen“ eher um Umschreibungen und Eigenschaften als um neue Wörter.

Und die unermessliche Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten, die die arabische Sprache bietet, gibt besonders Poeten eine unglaubliche künstlerische Freiheit.

Vor allem die Dichter der alten Araber waren dafür bekannt, dass sie seltene und mehrdeutige Wörter in ihren Gedichten benutzten und darauf sehr stolz waren.